Lyrik im Zeitgeist (Karin Maier-Zanker ) Copyright 2006 by Karin Maier-Zanker


Die Wandlung

 

 

 

Ein Teil von mir ist nun gegangen

Entschwunden in die Anderswelt

In die Welt der Welten jenseits unseres Horizonts. 

Ist dies der Weg des Seins?

Stück für Stück – Teil für Teil -verwandelt sich

In eine Wirklichkeit hinter dieser Wirklichkeit

Solang, bis alles sich gewandelt hat –

In ein großes Ganzes der Vollkommenheit. 

Ein grob gekörntes, schweres, dunkles Bild

Voll von Neid

Voll von Gier

Voll von Eifersucht und Angst

Voll der Sorgen und dergleichen

Wird beleuchtet durch den hellen Schein der Gnade

Den Strahlen der Sonne gleichend

Verzaubert in ein neues Gemälde

Aus bunten ineinander fliesenden Farben

Aus Licht, aus Freude, aus Mitgefühl und Liebe.

 Aus wundervollen Substanzen, die dieser Welt gefehlt.

 

 Ein Teil von mir hat sich verwandelt – im Angesicht des Todes.

 

Dunkelheit

 

 

 

Gar düster scheint der Horizont,

So ohne jeden Glanz.

Wohin das Auge schweift – der Trübsal Front,

Verhindert  jeden Elfentanz. 

Dort zieht der Adler seine Runden,

Stark und würdevoll – bewegungslos.

Die Flügel ausgebreitet fliegt er viele Stunden,

Angetrieben, durch der Lüfte Quellen, regungslos.

Holder Tag der du entschwindest 

In unsres Vaters Himmelsschloss.

Der stein´ge Weg den Berg hinauf sich windet,

Ich geh den Pfad des Leides ohne jeden Pferdetroß.

Schritt für Schritt und ohne mich zu wehren,

wandle ich mit Heldenmut durch dieses Leben.

Den Blick gerichtet nicht auf Lust und gieriges Begehren,

Nein, alles ausgelegt um helle Freud zu geben.

Nach jedem neuen Schlag das Herz erschauert,

je näher ich da klettre in der dunklen Nacht - dem Gipfel zu;

Das Ego sich erschreckt - versteckt und kauert,

Am höchsten Bergspitz angekommen hat eine reine Seele Ruh.

 




Friede

 

Friede, Du ersehntes Kleinod,

Erfülle heut die Seelen dieser Welt,

Erfasse sie in allen Lagen ihres Lebens,

Lass sie mit Dir im Einklang beben. 

Lass ihre Augen schauen der Schöpfung Herrlichkeit,

Lass ihre Ohren hören den Klang der Glückseligkeit,

Lass ihre Herzen klopfen im Takt der Gemeinsamkeit,

Öffne für sie das Tor zur Zufriedenheit.

Ein einziger Funke Deiner göttlichen Macht,

Bringt Ruhe und weitet das Sein.

Güte und Freude entfachen wohltuende Pracht,

Zuneigung sprießt, lässt die Liebe herein.

Im Spiegel des Friedens betrachtet,

Eines jeden Mitgefühl lindert die Not,

Völker verbindend der Eine den Anderen achtet,

Überwindet die Menschlichkeit - Plage und Tod.

 

 

 


Baum der Fixierungen

 

Ein Baum so mächtig aus dem Himmel wächst.

So viel hat er zu sagen.

Im ach so prächtigen Geäst – es ächzt;

So viel möchte ich ihn fragen.

 

Es ragt heraus aus dem meist kräft´gen Stamm,

der weit verzweigte Ast der Partnerschaft.

In gold´ner  Mitte wächst empor – gegabelt wie ein Kamm

Der stramme Ast der Wissenschaft.

Seitlich rankt geschmeidig –biegsam

Der lichte Ast der Fähigkeit.

In großer Höh, etwas versteckt und einsam

Erhebt sich sanft der Ast der Weisheit.

So setzt sich fort die Dichte der Verzweigung

Mit Selbstsucht, Ethik und der Zukunft.

 

Vermeide tunlichst jede fixe Orientierung

Auf einen Zweig - und waltet mit Vernunft.

Häng auf Dein Seil und mach es fest –

Am ewgen Stamm – gefüllt mit Gottes Liebe.

Sie fließt beständig aus dem Ursprung ins Geäst,

so wandelst Du voll Zuversicht in Deines Geistes Friede.

 

Drum wisse, liebes Erdenkind

Die Kraft des Baumstamms jeden Ast ernährt

Und nur wenn Du Gebundenheit schlägst in den Wind

Der Ursprung Dir Zufriedenheit gewährt.

Glaubensfestung

 

Tief im Sumpf der verwirrten Gefühle,

Gefangen im grübelnd Gedankengewühle;

Erschauert die Seele in finsterer Nacht.

 

Kein Licht ist zu sehen im Alltagsgezerre,

Die Herzen verstrickt in viel Streit und Geplärre;

Die Seele verkümmert vom Dämon bewacht.

 

Im häuslichen Trubel verliert sich der Sinn,

Es geht nicht um Fürsorg – es geht um Gewinn;

Die Werte der Seele ins Dunkel gebracht.

 

Die Ehe verliert sich im treulosen Trachten,

Es ist viel zu mühsam den andren zu achten.

Im Innren der Seele da  ächzt es und kracht.

 

Die Liebe entschwunden im irdenen Sog,

Zu schenken viel Wärme ist nicht mehr en vogue;

Gequält nun die Seele verhungert in ewiger Nacht.

 

Dort steigt aus der darbenden Menge hervor –

Ein Blitz heller Dankbarkeit öffnet das Tor,

Edelmut, Zuversicht, Hoffnung nun perlen empor.

 

Entsprungen dem Ozean der göttlichen Kraft,

Das Weiß lautrer Reinheit die Liebe erschafft;

Die suchende Seele von Neuem erwacht.



Mein Sohn

 

Mein Sohn, der Du gegangen bist,

In eine Welt, die keiner kennt,

Ein wildes Chaos hinterläßt,

Der tiefe Schmerz in unsr´en Gliedern brennt.

Denn keine Gnade kanntest Du

Mit allen, die zurückgeblieben,

rechnest ab und stahlst uns unsre Ruh.

Hast alle in den Sumpf getrieben.

 

In unsren trüben Seelen reift - nun lange schon diese eine bange Frage,

nach dem so grausamen Warum.

Das Dich da brachte in die triste Lage

Zu spielen mit dem Tod herum.

Du locktest mit der Torheit eines Jünglings der nicht reif;

Die finsteren Mächte aus des Hades Reich.

Unwissend was sich bildet für ein Schweif –

Nach Deinem Fortgang aus dem Erdenteich.

 

Finster wurd´ Dein einst so fröhlich Herz,

Als Du begannst den hässlichen Gesellen zu gehorchen.

Dein Innerstes verstockt und starr wie Erz;

Hat alle Grenzen nun durchbrochen.

 

Ach Du mein armer ferner Sohn,

Trotz aller Trauer, Qual und Mühsal,

wünsch ich Dir Gottes Licht als Lohn,

Es wird Dir leuchten in des Himmels Ballsaal.

Wo Du der Freude wirst gewahr,

Ein Engel trägt Dich in die Herrlichkeit.

Wo Licht und Gnade immerdar

Des Geistes Glanz erhellt die Ewigkeit.